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Tai Chi und Chi Gong für Frauen

Tai Chi und Chi Gong werden als ganzheitliche Übungssysteme betrachtet. Sie bieten gleichermaßen für Männer und Frauen die Vorzüge eines Gesundheitssportes (Haltung, Atmung, Bewegung), die Besonderheit der Energiearbeit, das Verständnis für eine effektive Selbstverteidigung, die Ruhe der Meditation und die Möglichkeit zur Selbstkultivierung und Stressreduktion.

Die geschlechtsspezifischen Unterschiede - anatomisch, physiologisch und psychologisch – spiegeln sich in den Körperwahrnehmungen wie in tatsächlichen Gegebenheiten wider. Als einfaches Beispiel nenne ich gern, dass die Füße „so breit wie die Schultern, höchstens so breit wie die Hüfte" stehen sollen, wenn der Stand von einem Mann angeleitet wird. Frau würde diese körperliche Proportion anders formulieren.

Den eigenen Körper entdecken

Der Körper wird von Männern und Frauen unterschiedlich wahrgenommen. Winden wir uns wie eine Schlange, um die Energie der Wirbelsäule zu aktivieren und die Vitalenergie zu spüren, fühlen Männer sich oft „unmännlich" oder es werden bei manchem Mann „andere" Fantasien ausgelöst. Es gehört Selbstvertrauen und Akzeptanz dazu, in gemischten Gruppen bestimmte Bewegungen auszuprobieren und für sich selbst zu entdecken. Frauen wie Männer sind oft gehemmt, dies vor dem anderen Geschlecht zu tun. Hierfür gibt es verschiedene Gründe, die in erster Linie soziokulturell bedingt sind. Für das unverstellte Erforschen des eigenen Körpers und die Kommunikation darüber kann das hinderlich sein.

Das Erkunden der eigenen Haltung, Atmung, Bewegungsmuster, Koordination schafft einen Zugang zur eigenen „Natürlichkeit", bzw. was jede/r für diese hält. Unsere Fehlhaltungen, Verspannungen, flache Atmung,... sind uns so in „Fleisch und Blut" übergegangen, dass wir sie für natürlich halten. Erst nach und nach erkennen wir den Unterschied zwischen den Selbstverständlichkeiten, die wir uns seit Jahren erworben haben, und unserer persönlichen Natur. Die Beziehung zum eigenen Körper und den Rhythmen der Natur in unserem Körper wieder herzustellen, ist dabei eine besondere Herausforderung, die viel Freude machen kann.

  Spüren, Beobachten, nicht direkt bewerten

Bei den Übungen des Tai Chi Chuan und des Chi Gong steht das SPÜREN im Vordergrund. Es geht darum zu spüren, was kleinste Veränderungen in der Hand-, Knie- oder Fußstellung, der Kopfhaltung, der Atmung verändern und wie sich diese Veränderung für uns anfühlt. In sich Hineinspüren und die eigene Körperwahrnehmung schulen ist wichtiger als zu sagen, „das ist richtig, das ist falsch". Nicht Leistung, sondern „Selbstschulung" und sich selbst auf den Weg bringen ist für viele Frauen eine neue wohltuende Erfahrung. Anders als bei vielen westlichen Sportarten wird nicht ein zusätzlicher Leistungsvergleich mit anderen eingefordert, sondern die Rückbesinnung auf eigene innere Maßstäbe entlastet auch in Lebenssituationen außerhalb des Tai Chi-/Chi Gong Trainings. Nicht nur gucken, sondern mit den Innen-Sinnen spüren, staunen, akzeptieren und nicht gleich bewerten.

Die Besonderheit des weiblichen Körpers erkennen

Proportionen, Muskelaufbau, Bauch, Busen, Po, gesellschaftlich geprägte Schönheitsideale, Menstruation, Menopause, Libido, sind nur einige Bereiche, die bei Frauen spezifisch thematisiert werden müssen. Gute LehrerInnen sprechen diese Besonderheiten im Unterricht unabhängig vom eigenen Geschlecht auch in gemischten Unterrichtsgruppen an. Dazu genügt nicht nur die Souveränität der/des Unterrichtenden, sondern es braucht auch eine kultivierte Harmonie in der Gruppe, um die für viele Menschen noch immer peinlichen, intimen oder „Tabu"-themen" zu benennen, die mit dem eigenen Körperempfinden und Gesundheit verbunden sind. Ein Anfang ist oft in getrennten Gruppen leichter.

Durch bestimmte Übungen des Chi Gong und des Tai Chi wird die Körperwahrnehmung sensibler. Gezielt können nach und nach Verspannungen und Energieblockaden gelöst werden. Jede Frau spürt ihren eigenen Rhythmus und kann durch regelmäßiges Üben wahre Wunder der Selbstentdeckung erleben. Das so genannte prämenstruelle Syndrom, was sich häufig in Gereiztheit, Rückenschmerzen, Spannung in den Brüste, Kopfschmerzen zeigt, kann dadurch abgeschwächt werden. Die Menstruation selbst kann beschwerdefrei verlaufen, wenn Frau gelernt hat, loszulassen.

    Stress – Thema Nr. 1

Es scheint, als ob jeder Mensch heute „Stress" hat. Ich möchte hier nicht näher auf die Begrifflichkeit eingehen, sondern das in den Mittelpunkt stellen, was allgemein darunter verstanden wird, nämlich zeitlicher Druck, um bestimmte Dinge zu erledigen, die verpflichtend sind oder so empfunden werden. Verbunden ist dies mit zu wenig Zeit für sich selbst und dadurch mit wachsender Unzufriedenheit, oftmals schlechter Ernährung (weil food fast gehen muss) und gesundheitlichen Problemen, die häufig zu spät erkannt werden. Der Mensch wird weniger belastbar – und empfindet noch mehr „Stress".

Um aus diesem Kreislauf auszubrechen, ist zunächst die Erkenntnis für den Ist-Zustand notwendig. Danach braucht Frau oder Mann die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, das Erkannte zuzugeben und dann die bewusste Entscheidung, etwas tatsächlich auch verändern zu wollen. Hierzu sind Orientierungen erforderlich, wohin diese Selbstentwicklung führen kann oder soll. Dieser Weg und seine Umsetzung sind gar nicht so einfach, wenn man „im Stress" ist.

Tai Chi und Chi Gong als bewährte Übungssysteme zur Stressreduktion

Auch wenn der Auslöser „Stress" bei Männern und Frauen identisch bezeichnet wird, ist inhaltlich oft etwas anderes gemeint. In Gesprächen mit Frauen und Männern wurde mir immer wieder deutlich, das Stress auch geschlechtsspezifisch unterschiedliche Ursachen hat und der Umgang damit entscheidend mit der eigenen weiblichen oder männlichen Einstellung und sozial anerkannten Mustern zu tun hat. Klassisch seien hier die Bereiche Kindererziehung, Haushalt, Autoverkehr, Karriere... genannt.

Inhalt des Tai Chi Chuan und Chi Gong zur Stressreduktion für Frauen ist deshalb

  • das Erkennen der eigenen Stresspersönlichkeit

  • das Erlernen von Übungen, zur Stressreduktion

  • Übungen zum Auftanken der Energiedepots

  • Achtsamkeitsschulung bei der Abgabe von Vitalenergie

  • Effizienz beim Energieeinsatz

  •  ausgerichtet auf die oben beschriebenen Grundlagen

    Nicht ausgrenzen, sondern integrieren

    Kerninhalt des Tai Chi ist das Prinzip des Yin und Yang, der sich ergänzenden Polaritäten. Diese bringen sich wechselseitig hervor und nur durch den Wandel erkennen wir den Unterschied. Der Wechsel und die Verbundenheit darin sind das Prinzip des Lebens.

    Das Spannungsverhältnis und der Austausch zwischen den Geschlechtern macht zunehmend kreative Prozesse in der Gesellschaft aus (Bsp.: gender mainstreaming). Beide können sich ergänzen und voneinander lernen.

    Eine dauerhafte Ausgrenzung des jeweils anderen Geschlechts ist weder natürlich noch klug.

    Ziel meiner Arbeit ist es aus spezifischen Gruppen allmählich gemischte Gruppen zu entwickeln, miteinander zu üben und Entdeckungen zu teilen, um in der eigenen Entwicklung und im Dialog zu reifen. Verständnis und Respekt füreinander können sich so entwickeln.                                                                 

     Dagmar Klossow      

       

     

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